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Übersicht

Gehäuse: entkernter Sony SLV-E800 Videorekorder
Netzteil: Fortron Source 145W, Mini ATX-Netzteil
Mainboard/CPU: VIA EPIA-M9000 mit integriertem C3-933MHz Prozessor
Grafik: VIA/S3 CastleRock AGP mit integr. MPEG-2 Dekoder (onboard)
Sound: VIA VT1616 6-Kanal AC'97 Codec (onboard)
HDD: IBM 120GB IC35L120AVVA07, 7200UPM, 2MB Cache
DVD-ROM: LG Electronics GDR-8161B 16x DVD, 48x CD(R/W)
TV/Radio-Karte: Hauppauge WinTV PVR250
LCD-Display: CrystalFontz CFAH2002A-TMI-JP, 20x2 Zeichen, an Parallel-Port, weiss auf blau mit Hintergrundbeleuchtung
Infrarot-Transceiver: IRTrans seriell als interne Lösung mit zusätzlichem PowerOn-Modul
Fernbedienung: Q-Sonic Masterremote 6in1, IR + Funk (X10), lernfähig für bis zu sechs Geräte

Beschreibung

Der beim GiantDisc-Projekt beschriebene Ansatz und ein weiteres MP3-Player-Projekt namens mp3deluxe, einen Videorekorder als Gehäuse zu nutzen, brachten mich dazu, meinen alten, im Keller verstaubten und mechanisch defekten Sony-Rekorder auszugraben.

Nachdem die c't verschiedene Mini-ITX-Boards vorgestellt und für den gewünschten  als durchaus tauglich bewertet hat, habe ich mich nach weiteren Recherchen dazu entschieden, das EPIA-M9000 von VIA als Basis für mein System zu erwerben. Über das Fli4l-Projekt (ein 1-Disketten-Router auf Linux-Basis) bin ich als Bezugsquelle auf Norbert Bebensee gekommen, der mir das Board samt Multimedia-Extension und 2fach-Riser-Card umgehend und zu einem günstigen Preis besorgen konnte.

Als etwas problematischer erwies sich für mich die Auswahl eines passenden Netzteils. Bei ebay fand ich dann aber doch noch einen Zubehör-Versender, der für knappe 10,- € ein entsprechend kleines Netzteil von Fortron Source im Angebot hat.

Nachdem ich das Board bekam war ich doch sehr erstaunt, wie klein 17x17 cm in Wirklichkeit sein können. Zum Glück passt die Risercard, um aus einem zwei PCI-Slots machen und die Karten dabei auch noch quer einbauen zu können, wie die Faust auf's Auge in das Gehäuse, da man sonst keine PCI-Karte normaler Bauhöhe in den PCI-Slot bekommt, wenn der Deckel auf der Kiste ist.

Ich habe mich aßerdem dazu entschlossen, die Anschlüsse des Boards wie bei einem normalen Gehäuse direkt mit dem Gehäuse abschliessen zu lassen. Andere Lösungen plazieren erst die Bauteile mehr oder weniger optimal im Gehäuse um dann die Ports mit Verlängerungen nach außen zu legen. Mir widerstrebt aber die Vorstellung das Video- und Audiosignal durch zwischengeschaltete Adapter weiter zu beeinträchtigen als unbedingt nötig.

Da ich das Äußere des Videorekorders - zumindest die Front - nach Möglichkeit im Originalaussehen belassen wollte, musste ich mich bei der Auswahl eines LCDs ziemlich einschränken, da der Ausschnitt für das originale Display relativ klein war. Deswegen habe ich ein 20x2 Zeichen kleines Display bei LC-Design bestellt. Um wenigstens ein wenig Chique in die ganze Sache zu bekommen, habe ich die Ausführung mit leuchtend blauem Hintergrund und weisser Schrift genommen. Sollte allerdings jemand ein Display suchen, das man aus zwei Metern Entfernung noch lesen kann, dann lasst die Finger davon. Es sieht super aus, aber lesen kann man es wirklich nur, wenn man direkt davor steht. Auch wenn man den Kontrast der Schrift und der Hintergrundbeleuchtung über die Widerstände variiert, kommt man nicht zu einer brauchbaren Lösung. Aber was soll's :)

Die Auswahl der Laufwerke war im Gegensatz dazu ziemlich einfach. Eine große, möglichst leise Platte und ein billiges DVD-Laufwerk. Die IBM-Platte war beim Händler um die Ecke gerade im Angebot und das DVD-ROM ebenfalls. Bei Letzterem kam es mir nicht darauf an, DVD in perfekter Qualität abzuspielen, sondern generell Scheiben einlegen und lesen zu können. DVDs spiele ich sowieso lieber über meinen Sony DVD-Player ab (DVP-S7700). Der Vorteil eines Desktop-Laufwerks gegenüber der platzsparenden Notebook-Version ist neben dem Preis auch die Tatsache, daß ich die alte Laufwerksblende des Videorekorders an die Schublade des DVD-ROMs anbringen konnte. Damit sieht die Front genauso wie früher aus, wenn man das Frontpanel des Gehäuses aufklappt.

Zusätzlich habe ich noch das originale VIA-Slotblech mit zwei USB2.0- und zwei Firewire-Ports hinter einer weiteren kleinen Frontklappe angebracht. Damit kann ich bequem mal eben mein Sidewinder-Gamepad oder eine digitale Foto- oder Videokamera an den Rechner anschliessen, ohne irgendwelche Kabel hinter der Anlage rumliegen zu haben. Meiner Meinung nach eine ganz saubere Lösung.

Ach ja, ich habe überigens auch, soweit es ging, die orignialen Knöpfe auf der Front des Videorekorders an das Board angeschlossen. Der Powerbutton geht nun zum IRTrans, welcher diesen einfach zum Mainboard durchschleift. Der Eject-Knopf bedient das DVD-Laufwerk. Um die Abspielknöpfe auf der rechten Seite des Rekorders nutzen zu können, habe ich mir eine billige PS/2-Tastatur für 5 € geholt und zerlegt, um an den eigentlichen Tastaturkontroller zu kommen. Das ist ein Standard-Chip, dessen komplette Belegung im Internet zu finden ist. Ich habe dann einfach die gewünschten Knöpfe des Gehäuses entsprechend der Schaltmatrix des Herstellers angeschlossen. Der Weg von diesem Eigenbau zum Mainboard war ziemlich einfach. VIA hat auf dem Mainboard einen zusätzlichen PS/2-Anschlußsockel, um entweder die normalen externen Anschlüsse oder aber intern angeschlossene Geräte zu benutzen. Daher habe ich meinen neuen Tastaturchip einfach an einen Zwei-Wege-Umschalter angeschlossen, der wiederum zu besagtem Sockel führt. So kann ich jetzt einfach auf der Rückseite des Gehäuses mit dem Umschalter zwischen Fronttastern und originaler PS/2-Tastatur wechseln. Das Ganze sieht auf dem Bild nicht so ordentlich aus aber das wird noch.

Das für mich wichtigste Bauteil ist aber der Infrarot-Empfänger. Da der Rechner mit Sicherheit nicht der schnellste ist, wollte ich ihn nicht auch noch mit der Dekodierung der Infrarot-Befehle belasten. Nach längerer Suche im Netz bin ich dann zuerst auf eine schon etwas ältere Lösung namens UIRT2 gestossen. <!--StartFragment --> Für mich höchst interessant war dabei die Möglichkeit, den PC auch über Wake-On-Lan einschalten zu können. Langer Rede kurzer Sinn, nachdem ich mir das Ding in mühevoller Kleinstarbeit und mit Hilfe eines guten Freundes (na Maik, ob du das wohl liest?), den man auch den Meister der E-Technik nennt, zusammengebaut hatte, kam die große Ernüchterung.

Erstmal wollte dieses Ding sich überhaupt nicht dazu überreden lassen, die Codes meiner original Sony-Fernbedienung ordentlich zu erkennen (Sony sendet allerdings auch blöde Codes, wie ich mittlerweile herausgefunden habe). Nach stundenlangem Gefummel und viel verschwendeteter Zeit im Support-Forum für das UIRT habe ich mich dann entschlossen, doch auf eine Universal-Fernbedienung umzusteigen. Glücklicherweise gab es just zu diesem Zeitpunkt in eine großen Lebensmittel-Handelskette eine solche für den spotten Preis von 7,50 € zu erwerben. Als ich dann zuhause die neue FB ausprobiert habe, traf mich fast der Schlag. Genau der selbe S****ß wiemit der Sony-FB. Soviel zum Thema intelligenter IR-Empfänger.

Aber ich habe mich nicht so schnell unterkriegen lassen und bin nach zwei Tagen Dauerfrust zum "Geiz-ist-geil"-Laden, um dort nach anderen Lichtsendern Ausschau zu halten. Dabei bin ich auf eine wirkliche schicke und funktionelle Fernbedienung von One-For-All names URC-7030 gestossen. Das Ding hat reichlich Knöpfe und ein vertrauenerweckendes Cursorkreuz. Damit wurden auch erstmal die Fernbedienungen für den Fernseher und meinen verbliebenen Videorekorder überflüssig. Erst mit dieser Fernbedienung wollte mein kleiner Empfängerbausatz auch die gewünschten Befehle lernen.

Das zweite Problem stimmte mich allerdings äußerst missmutig. Der UIRT2 ist bei meiner Hardwarezusammenstellung nicht in der Lage, den Rechner einzuschalten. Laut meinem E-Techniker reicht wahrscheinlich die Spannung aus dem WOL-Anschluß des Boards (hierüber sollte der Empfänger mit 5V versorgt werden) nicht aus. Andere technische Gründe, wie z.B. ein permanenter Reset des Controllers sind aber angeblich auch nicht auszuschliessen. Nur leider konnte/wollte man mir im Supportforum diesbezüglich nicht weiterhelfen. Außerdem wird die Lösung softwareseitig auch nicht mehr weiterentwickelt zu Gunsten einer kommerziellen USB-Lösung. Kann man vielleicht verstehen - ist aber mehr als schade!

Durch Zufall bin ich dann über Marcus Müller und seinen IRTrans gestolpert. Auf den ersten Blick ist der IRTrans eine mit dem UIRT2 vergleichbare Lösung, die sowohl als Infrarot-Empfänger wie auch als -Sender arbeitet. Eins der interessanten Feature von IRTrans ist das Bussystem. Damit können mehrere Geräte hintereinander geschaltet werden und beliebige Befehle entgegen nehmen und an eine Serversoftware weitergeben. Somit kann man beispielsweise seinen Multimedia-PC vom Schlafzimmer aus steuern, um die gewünschten Songs abzuspielen. Ausführliche Infos bietet Marcus auf http://www.irtrans.de.

Der IRTrans ist bestimmt nicht die billigste Lösung, aber zum Einen ist die Qualität überragend und die gesamte Software wird permanent weiter entwickelt, auch die serielle Lösung. Ein weiterer Riesenvorteil ist die Tatsache, daß die IRTrans-Software als Ersatz für LIRC, unter Linux der Standard für Infrarot-Empfang, dient. Somit ist man nicht wie beim UIRT2 auf Windows als Betriebssystem festgelegt. Das waren für mich die Ausschlag gebenden Gründe, mir den kompletten Bausatz zu bestellen. Außerdem gibt es auch ein PowerOn-Modul. Da der IRTrans normalerweise über eine externe Stromquelle betrieben wird, kann ich damit nun endlich meine Multimedia-Kiste via Fernbedienung einschalten! Danke Marcus :)

Für Leute, die sich ebenfalls für diesen Bausatz interessieren, sei erwähnt, daß man bei Einsatz eines eigenen Kabels zum Anschluß des IRTrans an den seriellen Port darauf achtet, daß Pin 7 des Steckers nicht angeschlossen sein darf, da sonst das Einschalten des Rechners bei einigen Mainboards nicht funktioniert.

Update 31.10.2003:

Ich habe meine OneForAll-Fernbedienung jetzt gegen einen Drücker von Pearl ausgetauscht. Dieser entspricht wohl weitestgehend dem, der den ATI AllInWonder-Karten beigelegt ist. Die FB wird im Ausland auch von anderen Herstellern unter verschiedenen Labels vertrieben. Die Fernbedienung kann nun sechs Geräte steuern, anstelle von dreien, wie bei der OneForAll-FB. Der PC wird im Normalfall mittels Funk auf Basis der X10-Technologie (siehe "Home-Automation") angebunden. Da die Fernbedienung im Funk-Modus aber auch IR-Codes für einzelne Tasten erlernen kann, bleibt mir trotzdem die Möglichkeit, meine Mediabox per FB und IRTrans einzuschalten!

Einziger Wehrmutstropfen ist, daß es die Fernbedienung in Deutschland scheinbar nicht im eleganten Silber gibt. Aber es gibt Schlimmeres. Endlich ist der Wohnzimmertisch etwas leerer geworden...

Update 14.07.2007:

Nun habe ich mir auch endlich eine ordentliche TV-Karte zugelegt. Nachdem die Überlegung im Raum stand, auf DVB-T zu warten, habe ich herausgefunden, daß in meiner Wohngegend der EMpfang wahrscheinlich nur mit einer Dachantenne möglich sein wird, weshalb ich mich schließlich doch für eine analoge Karte entschieden habe. Erfreulicherweise verlief die Installation absolut problemlos mit den inoffiziellen Treibern, die auf SHSPVR bereitgestellt werden. Mit Hilfe von WinTVCap klappen auch die Aufnahmen ohne erkennbare Prozessorbelastung auf meinem schwachbrüstigen System.

Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, ob ich für das Timer-gesteuerte Aufwachen des Rechners (zur Aufzeichnung von TV-Sendungen) eine Softwarelösung wie den CMOSTimer einsetze oder aber versuche, eine Lösung aus dem VDR-Portal in Hardware zu nachzubauen. Bei der Softwarelösung besteht bei Verwendung der EPIA-Boards das Problem, daß das BIOS die Weckzeit erst nach nochmaligem Hochfahren erkennt und berücksichtigt. Dieses Problem wird zwar beim CMOSTimer - im Gegensatz zu der Wakeup-Lösung des PVR-Schedulers aus dem HTPC-Board.de - berücksichtigt, allerdings finde ich es relativ unelegant, daß der Rechner beim Ausschalten erst noch einmal komplett hochfährt, um sich dann erst schlafen zu legen.

Aber man wird sehen...

Ich werde an dieser Stelle auch weiterhin über Hardware bezogene Änderungen und Probleme meiner Mediabox berichten...